New Order ist eine englische New-Wave-Band aus Manchester, die 1980 aus Joy Division nach dem Selbstmord ihres Frontmanns Ian Curtis hervorging. Die ursprünglichen Mitglieder von New Order, Bernard Sumner (Leadsänger), Peter Hook (Bassist) und Stephen Morris (Schlagzeug, Percussion und Elektronik), stammen alle aus der nach dem Tod von Ian Curtis aufgelösten Band Joy Division. Im Oktober 1980 wurde die Band durch Gillian Gilbert (Gitarre/Synthesizer), die Ehefrau von Morris, ergänzt. 2001 verließ Gillian Gilbert die Gruppe, um sich um ihre kranke Tochter zu kümmern, und wurde durch Phil Cunningham ersetzt. 2007 stieg Peter Hook aus der Band aus und wurde 2011 von Tom Chapman abgelöst. Die Gitarristin/Keyboarderin Gillian Gilbert kehrte ebenfalls 2011 zur Band zurück, sodass New Order nun als Quintett agiert.
New Order setzte zunächst den Weg fort, den Joy Division eingeschlagen hatte, mit melodischen, dunklen Songs. Anfangs wurden sie als ziemlich eigensinnig und mürrisch bezeichnet. Sie gaben zum Beispiel keine Interviews, weigerten sich, Zugaben zu spielen, und distanzierten sich vollständig vom Joy Division-Repertoire. Bald fanden sie ihren eigenen Sound. New Order entwickelte sich zu einem Ikon der New Wave und der alternativen Szene. Sie hatten großen Einfluss auf Techno. Selbst fanden sie Inspirationsquellen unter anderem bei Kraftwerk.
Ihre 12" Blue Monday ist die meistverkaufte 12"-Single aller Zeiten. Die Verpackung ähnelte einer großen 5¼"-Floppy-Disk. Das war sehr aufwendig, weshalb (laut Band) bei jedem Exemplar Geld draufgelegt werden musste. Die Single ist mit einer Länge von fast siebeneinhalb Minuten ein auffallend langes Stück, um die Charts zu erreichen. Aufgrund der Länge wurde das Stück nur als 12"-Single veröffentlicht und nicht als konventionelle 7"-Single. Obwohl das Stück eigentlich nur für DJs in Tanzclubs gedacht war, wurde es ein unerwarteter kommerzieller Erfolg. Die Single verkaufte sich im Vereinigten Königreich 1,16 Millionen Mal.
Top 2000
Blue Monday steht auf Platz 399 der Top 2000 Ausgabe 2019.
Sunday Morning Classic: Blue Monday
Am 22. November 2020 lag Blue Monday als Sunday Morning Classic auf dem Plattenteller.
1983 gab es plötzlich eine 12-Zoll mit futuristischer Tanzmusik von New Order. Während die Musik der Band, aus der New Order hervorging, fast unter ihrem eigenen Untergang zusammenbrach, schien Blue Monday das Tanzen auf dem Vulkan zu propagieren. Dasselbe Urgefühl wie bei Joy Division, aber durch die Ausführung relativ fröhlicher und optimistischer.
Ich weiß nicht, wie es in anderen Ländern war, aber in den Niederlanden sorgte das Stück für ziemlichen Wirbel. Joy Division war inzwischen heiliggesprochen, und die ‚Menschen mit gutem Geschmack‘ (lies: Musik-Snobs) fanden Blue Monday (natürlich) musikalischen Ausverkauf. Wie von Wespen gestochen reagierten sie auf die elektronischen Töne des letzten New Order.
New Orders erstes Album nach dem vorzeitigen Tod von Ian Curtis war Movement, ein Album, das dem Joy Division-Sound naheblieb. Aber jetzt? Disco!? Ich erinnere mich noch an Diskussionen im Radio, ob dieses Stück überhaupt bei bestimmten Radiosendern (VARA und VPRO) gespielt werden durfte, denn das konnte doch alles nicht sein...
Bei Konzerten gab die Band keine Zugaben. Das Publikum reagierte überall gleich: enttäuscht und oft genervt. Die Idee war, ein Stück aufzunehmen, das als Zugabe gespielt werden konnte. Die Band sollte auf die Bühne kommen, auf Play drücken und wieder gehen. Anschließend sollte das Stück abgespielt werden. Nach und nach wurde die Band jedoch immer begeisterter von dem Stück. Es wurde die nächste Single, die noch vor dem nächsten Album Power, Corruption & Lies erscheinen sollte, veröffentlicht wurde.
Laut Bernard Sumner wurde Blue Monday beeinflusst von Dirty Talk von Klein + M.B.O., Our Love von Donna Summer und Geiger Counter von Kraftwerk. Der Chor, der in Blue Monday zu hören ist, ist ein Sample von Kraftwerks Uranium. Vielleicht ist The Perfect Kiss aus 1985 besser, aber die Wirkung von Blue Monday war gigantisch. Es geschah etwas anderes, etwas Neues. Tanzmusik, aber doch anders. Das allgemeine Gefühl des Stücks war zwiegespalten. Schwermütig und feierlich zugleich. Der düstere Klang im Gesang griff auf die Joy Division-Zeiten zurück, aber musikalisch erinnerte es auch an die fröhlichen, unbeschwerten Zeiten der 70er Jahre und die Disco jener Tage.
Der Anfang des Stücks ist immer noch beeindruckend. Der 4/4-Takt und die Bassdrum, die wie ein Maschinengewehr klingt. Die Musik, die langsam aufkommt, die wunderschöne Basslinie, sowohl vom Moog Source als auch von Peter Hook. Blue Monday ist die meistverkaufte 12-Zoll aller Zeiten. Auffällig ist, dass das Stück kein Teil des Albums Power, Corruption & Lies war, das am 2. Mai 1983 erschien.
Auch das ikonische Cover von Blue Monday, entworfen von Peter Saville und Brett Wickens, ist wunderschön. Peter Saville kam auf die Idee, als er Stephen Morris mit Floppy Disks hantieren sah (auf denen die Sequencer-Informationen gespeichert wurden). Das Cover sollte wie eine 5¼”-Floppy-Disk aussehen. Die Vorderseite enthält keine Worte, aber die Künstler-, Titel- und Label-Informationen in (bunten) Codeblöcken.
Das Stück wurde dreimal veröffentlicht. Das Original von 1983 (mit The Beach als B-Seite), 1988 gefolgt von Blue Monday ’88, bearbeitet vom Produzenten Quincy Jones. Blue Monday ’95 war die dritte Version. Der Text von Blue Monday soll vom Abschiednehmen handeln. Die fast monotone Interpretation von Sänger Sumner verleiht dem Text (und dem Stück) ein distanziertes Gefühl.
Von A Pop Life (Erwin Barendregt) in Rezension
Foto: RL GNZLZ aus Chile






