Der amerikanische Sänger Sam Cooke wurde als „King of Soul“ bezeichnet. Eine berechtigte Bezeichnung, denn er legte in den frühen 60er Jahren die Grundlagen für den Erfolg der heutigen R&B- und Soulmusik. Deshalb wird sein Tod bis heute betrauert. Sam Cooke starb 1964 im Alter von 33 Jahren bei einer rätselhaften Schießerei. Damit endete das Leben eines der größten Pioniere der Soulmusik vorzeitig.
Kirchenchor
Sam Cooke wurde am 22. Januar 1931 als Samuel Cook in Clarksdale, Mississippi, geboren. Er ist eines von insgesamt acht Kindern des Pfarrerehepaars Charles und Anne Mae Cook. Zwei Jahre nach Sams Geburt zog die Familie Cook nach Chicago. Dort begann Sam seine Gesangskarriere im Kirchenchor seiner Eltern. Zusammen mit seinen Brüdern und Schwestern sang er als The Singing Children verschiedene kirchliche und andere religiöse Lieder. In seiner Jugend sang Sam in verschiedenen Gospelgruppen, darunter die The Teen Highway QC’s.
Grenzen
1950 wurde Sam gebeten, Sänger bei The Soul Stirrers zu werden, einer der wichtigsten amerikanischen Gospelgruppen jener Jahre. Schnell wurde Sam der neue Leadsänger der Soul Stirrers und entwickelte einen unverwechselbaren Gesangsstil. Unter seiner Führung hatten The Soul Stirrers großen Erfolg mit Gospelliedern wie 'Peace In The Valley' und 'Jesus Paid The Debt'. Aber Sam wollte seine Grenzen erweitern. Er wollte ein größeres Publikum erreichen und nahm unter dem Pseudonym Dale Cook das Poplied 'Lovable' auf. Doch seine charakteristische Stimme verriet ihn. Jeder hörte, dass Dale Cook in Wirklichkeit Sam Cooke war, auch der Plattenboss und die Mitglieder der Soul Stirrers. Sie waren nicht glücklich über diese Soloaktion von Sam. Schließlich verließ Sam die Gruppe und unterschrieb einen Solovertrag bei einer anderen Plattenfirma, Keen Records. Außerdem fügte er seinem Nachnamen ein „e“ hinzu.
B-Seite
Über Keen Records veröffentlichte Sam Cooke 1957 eine eigene Version von George Gershwins Summertime als Single. Auf der B-Seite der Single stand 'You Send Me', ein Soullied, das er selbst geschrieben hatte. Und wie es damals öfter vorkam, wurde die B-Seite beliebter als die A-Seite. Innerhalb kürzester Zeit stand 'You Send Me' auf Platz eins der amerikanischen schwarzen Rhythm-&-Blues-Charts. Aber auch in der von weißen Künstlern dominierten Billboard HOT 100 erreichte das Lied Platz eins. You Send Me ist der erste von vielen Hits, die meist von Sam selbst geschrieben wurden, darunter große Erfolge wie 'Only Sixteen', 'Cupid' und 'Wonderful World'.
Leid
1961 gründete Sam zusammen mit seinem Produzenten J.W. ‚Alex‘ Alexander und Manager Roy Crain ein eigenes Plattenlabel, SAR Records (Sam, Alex, Roy). Sam verpflichtete Künstler wie Bobby Womack, Billy Preston und seine alten ‚Weggefährten‘ The Soul Stirrers. Gleichzeitig blieb er als Sänger äußerst erfolgreich mit großen Hits wie 'Chain Gang', 'Twistin’ The Night Away', 'Another Saturday Night' und 'Bring It On Home To Me', letzteres aufgenommen mit einem jungen Lou Rawls im Backgroundchor. Sam engagierte sich auch aktiv für gleiche Bürgerrechte für alle Amerikaner. Er war entschieden gegen jede Form von Rassismus oder Apartheid. 1963 wurde Sam von großem Leid getroffen, als sein anderthalbjähriger Sohn im Teich vor seinem Haus ertrank. Sam versuchte, seinen Schmerz durch viele Auftritte zu verarbeiten. Seine Ehe geriet stark unter Druck.
Rätsel
Am 11. Dezember 1964 mietete Sam Cooke ein Zimmer in einem Hotel in Los Angeles. Er wurde von einer Dame begleitet, die nicht seine Frau war. Was sich an diesem Abend genau abspielte, bleibt bis heute ein Rätsel. Die wahrscheinlichste Geschichte ist, dass die besagte Dame Sams Geld und Kleidung stahl, woraufhin der wütende und größtenteils entkleidete Sänger versuchte, die Sache mit der weiblichen Hotelmanagerin zu klären. Diese fühlte sich so bedroht, dass sie ihn aus Notwehr erschoss. ‚You shot me, lady‘, soll der überraschte Sänger noch gesagt haben, bevor er an seinen Verletzungen starb. Der damals 33-jährige Sam Cooke hinterließ eine Frau und ein kleines Töchterchen. Seine Witwe heiratete später Sams Freund Bobby Womack; Sams Tochter Linda heiratete dessen Bruder Cecil Womack, mit dem sie als Womack & Womack in den 80er und 90er Jahren einige große Hits landete.
Präsident
Nach seinem Tod wurden viele von Sams Liedern von berühmten Künstlern wie Aretha Franklin, Tina Turner, Diana Ross, Otis Redding, Rod Stewart, John Lennon und Paul McCartney aufgenommen. Einige davon wurden sogar große Hits, wie Cat Stevens mit Another Saturday Night, The Animals mit 'Bring It On Home To Me' und Herman’s Hermits mit 'Wonderful World'. Auch Sam selbst konnte Jahre nach seinem Tod noch posthum Hits landen. So 1986, als er mit 'Wonderful World' einen posthumen Welthit hatte, der in einem TV-Spot des Jeansherstellers Levi’s verwendet wurde. In den Niederlanden erreichte Sam mit Wonderful World sogar Platz eins. 2008 wurde Sams Lied 'A Change Is Gonna Come' während der Wahlkampagne von Barack Obama verwendet, der zum ersten schwarzen Präsidenten Amerikas gewählt wurde.
Einfluss
So viele Jahre nach seinem tragischen Tod ist der Einfluss von Sam Cooke noch immer in der heutigen Popmusik spürbar. Denn unter der Führung zeitgenössischer Stars wie Adele und Beyoncé kümmert sich eine neue Generation junger Soulkünstler um sein Erbe. Auch sie haben Sams wunderschöne Stimme und sein fantastisches Songwriting entdeckt, eine Kombination, die all die Jahre nichts an Ausdruckskraft verloren hat. Das macht Sam Cooke zu einem der größten und einflussreichsten Soulsänger aller Zeiten.
Top 2000
In der 23. Ausgabe der Top 2000 ist Sam mit zwei Nennungen vertreten:
Sunday Morning Classic: Ain't That Good News
Am 20. März 2022 war es endlich an der Zeit, dass Sam Cooke als Sunday Morning Classic auf dem Plattenteller lag. Für diese Sunday Morning Classic haben wir das Album "Ain't That Good News" ausgewählt. Es ist das elfte Studioalbum und zugleich das letzte Album, das er vor seinem Tod aufnahm.
Spiel Ain't That Good News im Winter und garantiert wird die Sonne in deinem Haus scheinen und die Welt für eine halbe Stunde etwas weniger grau und düster erscheinen. Schön in dieser Zeit grober Kriegsgewalt. Herrliche Soulmusik, die zeigt, dass die Alten oft für die echten Werke sorgen und dass es heutzutage zu wenige solcher Künstler gibt. Sam Cooke war Soul bis in die kleinen Zehen und dieses Album beweist es wieder einmal. Das Anti-Rassismus-Lied "A Change Is Gonna Come" ist der Höhepunkt dieses Albums und von Sam Cookes Gesamtwerk, aber auch "Good Times" und "Rome (Wasn't Built in a Day)" sind ebenfalls starke Songs.
Sam Cooke Live
Das Live-Album wurde 1963 in Miami aufgenommen und gehört zur Kategorie der „besten Live-Alben aller Zeiten“, zu der auch beispielsweise Get yer ya ya’s out von The Rolling Stones und It’s too late to stop now von Van Morrison gehören.
Quelle: NPO
Foto: Public Domain















